Mein Sommer mit Mucks

Buchlesung im AquAHAUS

Stefanie Höfler stellt im Kombibad AquAHAUS Ihren neuen Roman vor.

Da dieser Roman in einem Freibad spielt, scheint das AquAHAUS der richtige Ort für eine Lesung zu sein. Ab 16.00 Uhr können alle Interessierten der Autorin zuhören, wie Sie aus Ihrem Roman vorträgt.

Bei gutem Wetter findet die Lesung im Freibadbereich statt, bei schlechtem Wetter im Foyer des Kombibades.

Leseprobe:

„Na, Fräulein Herzlos, ist das dein neuer Freund?“ – Was antwortet man auf eine solche Frechheit, wenn man zwölf Jahre alt ist, mitten in den Sommerferien ein Klassenkamerad im Freibad auftaucht und grinst? Es ist Mucks, der Zonja die Antwort abnimmt, während sie sich noch ärgert, nicht schlagfertig genug zu sein, es ist Mucks, der sie mit einem lässigen „Eifersüchtig?“ an den Händen langsam von Sebastian weg durchs Nichtschwimmerbecken zieht. Aber was ist das mit Mucks?

Mucks, der eigentlich Fabian heißt, ist gerade erst hergezogen, im Freibad wäre er fast untergegangen, komisch eigentlich, und Zonja hat ihn gerettet. Jetzt spielen sie Scrabble und reden und schweigen und schauen in der Dunkelheit in den Sternhimmel, und Mucks zieht die Hand nicht weg, wenn Zonja sie mit ihrer berührt. Aber als sie ihn fragt, warum er eigentlich mit dreizehn immer noch nicht schwimmen kann, flippt er aus. „Dein ganzer Heile-Welt-Quatsch ist nervtötend“, schreit er sie an, „du hast überhaupt keine Ahnung!“

Wie sich die drei verstehen, ist ein Glück

Da hat er recht. Es bleibt bis zum Schluss dabei, dass sich Zonja keinen rechten Reim machen kann auf ihren Freund in Stefanie Höflers Kinderbuchdebüt „Mein Sommer mit Mucks“, und es bleibt wunderbar in der Schwebe, ob sie nur aus ihm nicht schlau wird (Grund genug hätte sie) oder auch aus ihrer ersten Liebe, der die Autorin in dieser bedrückenden Geschichte so schöne Szenen und Bilder gibt.

Zonja ist neugierig, auch wenn das unter Zwölfjährigen nicht gerade angesagt ist, sie ist eigenwillig, nimmt in Kauf, in der Klasse die Außenseiterin zu sein, und findet in ihren Eltern, als es ihr eng wird ums Herz und als es eng wird für Mucks, Liebe, Anerkennung und Halt, wie man es jedem Kind nur wünschen kann. Die Welt ist nun mal nicht heil, das lernt Zonja in diesem Buch, doch ihre Familie ist es, mit dem großen, leisen Vater, der alles über Mathe weiß, und der quirligen Mutter, die sich wie in ihrer kroatischen Heimat von Zonja Mati nennen lässt und täglich zwei Bücher liest. Wie sich die drei verstehen, ist sicherlich kein Quatsch, sondern ein Glück, auch für den Leser.

Wenigstens ist er in Sicherheit

Warum hat Mucks Pfefferspray bei seinen Badesachen? Warum sind sie überhaupt umgezogen, überhastet, wie es scheint, und nicht zum ersten Mal? Was sind das für blaue Flecken, mit denen Mucks eines Tages im Freibad auftaucht? Und, ja, warum kann er eigentlich nicht schwimmen? Nach und nach erfährt Zonja Einzelheiten. Sie ergeben ein schwer erträgliches Bild, ganz bestimmt für Mucks, sicher aber auch für seine Freundin. Der Junge ist auf der Flucht, zusammen mit seiner Mutter und seiner Großmutter, vor seinem Vater. Immer wieder findet der sie, auch in der neuen Stadt. Diesmal stellt sich Mucks ihm entgegen, eine Glasscherbe in der Hand, den unfassbaren Satz „Ich bring dich um, diesmal bring ich dich um!“ auf den Lippen, in einer kunstvoll knapp gehaltenen Szene, die Zonja nicht überblicken kann, ihre kindlichen Leser nicht überblicken müssen und ihre Mutter schließlich rettet, indem sie dazwischentritt.

Zwei Tage später ist Mucks weg. Ohne jede weitere Erklärung. Sogar ohne seine Großmutter. Die kann noch ein paar Details erklären, die Sache mit dem Schwimmen, den Bruch der Familie, aber es bleibt ein Loch am Ende von Stefanie Höflers Geschichte, eine traurige Frage ohne Antwort, die in den elf, zwölf Jahre alten Lesern des Buchs sicher noch eine Weile nachhallen wird, auch wenn wenigstens ein Lebenszeichen von Mucks ihnen und ihrer Heldin zeigt, dass er in Sicherheit ist.

Fein, beherzt und genau

Was ist das für eine Freundschaft, in der der andere ein Geheimnis dieser Größe und Dunkelheit mit sich herumträgt? Was heißt es für ein Kind, mit einer Geschichte wie der von Mucks allein zu bleiben? Zonja muss nicht allein damit fertig werden. Noch in der Nacht, noch während ihre Mutter bei der anderen Familie ist, erzählt ihr der Vater von einer ganz ähnlichen Geschichte aus Matis Kindheit, die sie bis heute bewegt. Und am Frühstückstisch erklärt dann Mati, was passiert ist, so unaufgeregt, so geordnet, „als würde es um wildfremde Menschen gehen“, stellt Zonja fest. „Und irgendwie tut es das ja auch.“